Visionen

Als ich bei meiner neuen Psychiaterin war, hatte ich ein Vorgespräch mit einer anderen Mitarbeiterin die eine Erfassung meines Lebens in Bezug auf Krankengeschichte notierte. Es war sehr nett, wir mußten viel lachen dabei, sie freute sich über meinen Humor. Und dann ganz am Ende kam plötzlich für mich eine sehr schräge Frage, die ich auch zu indiskret fand. Ob ich denn in meinem Glaubensleben auch Visionen gehabt habe?

Alles klar, dachte ich bei mir, nun hast du angegeben das du nicht nur christlich, eine vom Verein röm.kath. bist, sondern das du darüber hinaus auch ein Privatgelübde abgegeben hast. Da fragt sich natürlich die psychiatrische Praxis ob du einen religiösen Wahn hast? Denn sind Visionen für den aufgeklärten Menschen von heute ob Christ, noch mehr Atheist nicht einfach Wahngebilde die gefälligst und schleunigst vom Psychiater deines Vertrauens behandelt werden sollten?

Ich verneinte und verwies auf meinen glaube ich durchdachten, hinterfragten Glauben, der eine Tiefe des Glaubens aufweist, und meinen kritischen Geist innerhalb der Instution Kirche.

Ich konnte ehrlich verneinen, nein Visionen im Sinne von Erscheinungen ob Jesus, oder gerne als Römerin Maria sind mir noch nicht untergekommen. Jegliche Sensationsgier kann ich hier nicht bedienen.

Und doch gehören Visionen zu unserer Kirche dazu wie das Amen. Was wäre die Kirche ohne die Visionen der Heiligen, wie Franziskus, der Bernadette in Lourdes, Katherina Laboure besser bekannt durch die wundertätige Medaille, Don Bosco, Hildegard von Bingen, Niklaus von Flüe besser bekannt als Bruder Klaus und unendlich viele mehr.

Ganz abgesehen vom merkwürdigen Gebaren vieler Heiligen wie Franziskus der Asche gegessen hat. Sie alle würden heute in der Psychiatrischen Praxis im Wartezimmer sitzen, nicht weil sie sich selbst unwohl fühlten, sondern die Gesellschaft damit nicht mehr klarkommt. Unsere aufgeklärte Gesellschaft lasst nicht viel Spielraum für Visionen, Phantasie, Kreativität, dem kindlichen Erfassen der Welt.

Und sind es nur Visionen wenn es wie eine Erscheinung daher kommt, also im aussen gesehen mit eigenen Augen, oder sind Visionen auch innerliche plötzlich auftretende Bilder die eine Symbolkraft haben, eine eigene Geschichte erzählen wollen.

In diesem Sinne hatte ich eine Vision. Als ich sehr jung war, saß ich bei meiner Schwester zu Besuch. Sie ging nur kurz in die Küche, und ich machte einen kleinen Moment die Augen zu. Da war auf einmal ein innerliches Bild von Jesus da, unglaublich real anzusehen, der zu mir sagte, hab keine Angst ich bin bei dir was auch passiert.

Das war ohne jeglichen Kontext zu Gebetszeit oder ähnlichem passiert. Ich spürte das die Aussage ganz wichtig war, gleichzeitig war da eine Vorahnung das schwere Zeiten auch mich zukommen würden.

Ein halbes Jahr später beging ich ohne es zu planen oder zu wollen einen Suizidversuch, den ich glücklicher Weise überlebte. Mein Rückgrad wurde dabei gebrochen, OP´s mußten durchgefochten werden und unglaubliche Schmerzen. Aber ich lebte. (Meine Psychiaterin und Therapeutin gehen von meiner Schilderung davon aus das ich eine Depersonalisierung erlebte, mir selbst nur noch wie in einem Film als Zuschauer beiwohnte, sie denken das war bereits meine erste Psychose) In dieser Zeit angefangen von der Intensivstation bis zum Zusammen wachsen meines Wirbelbruches tauchte ganz stark dieses innere Bild des einfachen Daseins von Jesus in mir wieder auf. Und ich spürte er war da, ja obwohl ich sehr damit haderte warum er dieses Leid nicht verhindert hatte.

Das ist eine andere Geschichte.

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