Medikamente

Diese Thematik begleitet mich aktiv seit ich in der akuten Psychose war und ein entsprechendes Medikament verschrieben bekommen habe.

Ich bin ja jemand der normalerweise so gut wie nichts nimmt. Ich vertrage keine Antibiotika, Rauchen, nicht mal Alkohol. Voll das Sensibelchen und zum Glück würde ich sagen.

,Nun in der akuten Phase war ich definitiv darauf angewiesen, ich wollte das dieser Alptraum aus Stimmen hören, aufhörte. Und sie halfen, innerhalb von wenigen Wochen beruhigte sich die Psychose und die Positivsymptome. Nun wurde das Medikament entsprechend niedriger dosiert, und ich sollte innerhalb kürzester Zeit ausschleichen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nichts darüber, die Ärzte erwähnten allerdings nicht, was mich bis jetzt erstaunt, das es nur mit ganz kleinen Schritten möglich ist, sonst landet man sehr wahrscheinlich in einer sogenannten Absetzpsychose bzw. einer akuten Psychose.

Es fing dann prompt mit massiven Schlafstörungen wieder an, und ich bekam das Gefühl das die Stimmen unter der Oberfläche lauerten. Ich wollte das kein zweites Mal erleben. Ich suchte mir einen niedergelassenen Psychiater und nahm auf seine Empfehlung eine relativ niedrige Dosis ein. Und ob es dem geschuldet war oder die Zeit ins Land ging. Meine Kurve ging nach oben und ich war für einige Monate stabil. So stark das ich nun mit vielen Informationen, die ich mir selbst zusammen gesucht hatte betreffend Medikamente ausschleichen, diesen Prozess in kleinsten Minischritten anfing.

Zu diesem Zeitpunkt war das Geschehen der Psychose für mich wie ein Unfall in der Vergangenheit. Natürlich wollte ich wissen ob ich ohne den Einfluss der Medikamente stabil blieb und somit geheilt war. Das Thema absetzen gewann eine starke um nicht zu sagen massive Komponente in meinem Leben. Ich wollte wieder frei sein, ich selbst sein. Ich konnte mir nicht vorstellen, nun aus vorbeugenden Schutz Jahre oder gar Jahrzehnte diese einzunehmen. Ich hatte so einen Widerwillen mein Gehirn dämpfen zu lassen denn es war nur ein Einwirken auf mögliche Symptome aber keine Heilung, der Auslöser.

Ich ging zwei Stufen in der Dosis nach unten. Quasi Minidosen. In diesen Monaten kamen einige Stressmomente bzw. Zeiten von aussen, die ich nur schwer oder gar nicht bewältigte. Ich wurde immer dünnhäutiger, fing mich an mehr zurückzuziehen bzw. hatte den Drang danach, fühlte mich depressiv, alleine gelassen, Beziehungsgedanken fingen sich an zu drehen. Kurz ich war auf dem Weg nach unten und wurde Präpsychotisch. Meine Therapeutin erkannte das zum Glück, und brachte mich in die Klinik zur Beratung, eine Aufnahme erfolgte nicht weil die Betten voll waren. Das tat ein bißchen weh, denn nun hatte ich mich aus Leidensdruck überwunden Hilfe anzunehmen, die ich in der akuten Zeit vor lauter Angst nicht annehmen konnte, sprich stationär zu gehen.

Und es war klar, sie setzen das Medikament wieder rauf, ich varierte nach wenigen Tagen ein bißchen nach unten, und war wieder in der stabilen Phase. So erkannte ich dennoch das die Psychose nicht vollständig ausgeheilt war.

Obwohl mir die Medikamente doch helfen meinen Alltag zu bewältigen, merke wie ich es noch immer kaum annehmen kann von ihnen abhängig zu sein. Ich fragte mich würde es mir auch bei einer Erkrankung die keinem Stigma ausgesetzt wäre wie z.B. Diabetes oder Schilddrüse so gehen. Oder wäre ich da nur eher angenervt und würde mich dann in das unvermeidliche fügen. Man hat ja das Gefühl das es bei einer Psychose Erkrankung nicht nur um die eigene Gesundung geht, sondern man quasi der Gesellschaft es schuldig wäre im sicheren Rahmen zu bleiben. Also bloß nicht auffallen, ein Aspekt den es bei anderen Krankheiten viel weniger gibt.

Auch wenn ich meine Therapeutin damit „nerve“ es wird sicherlich noch öfters ein Thema sein. Oder hab ich die Krankheit erst dann angenommen, wenn ich es akzeptiere Medikamente nehmen zu müssen? Kann ich auch frei sein, mich frei fühlen, wenn ich die Krankheit als einen Teil meiner Persönlichkeit annehme?

Es wird noch ein gutes Stück Weg werden bis ich das kann. Ich hoffe Gott begleitet mich auf diesem und nimmt mich in seine Arme. Ich kann es gebrauchen.

Ein Kommentar zu „Medikamente

  1. Ich habe die Medis ja auch schon oft einfach abgesetzt, weil ich sie nicht wollte und nicht akzeptieren wollte, dass ich sie brauche. Ging nie gut aus. Irgendwann arrangiert man sich halt mehr oder weniger damit.

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