Suizidalität

Menschen die an Psychosen, Schizoaffektiven Störung oder Schizophrenie erkrankt sind haben eines gemeinsam. Eine signifikant erhöhte Suizidalität. Nur depressive Menschen kommen auf diesen hohen Level. Verschiedene Studien sagen Werte zwischen 5 – 15% von Suiziden in diesem Formenkreis aus. Was aber bringt diese Menschen dazu aufzugeben, mehr als andere?

Zu einem gehören diese Erkrankungen noch immer zu den wenigen Tabus in unserer Gesellschaft. Stigmata können auftreten, durch sich outen und abgelehnt werden. Oder sich aus Angst vor dieser Ablehnung sich nicht zu outen, und als Einzelkämpfer mit dieser hohen Belastung alleine fertig werden zu wollen und dabei zu scheitern am inneren Druck der sich dabei aufbaut.

Mit dieser Erkrankung ist es nur manchen möglich bei relativer Symptomfreiheit weiter normal arbeiten zu gehen, sprich am 1. Arbeitsmarkt beschäftigt zu sein. Einige brauchen vorerst oder langfristig einen geförderten Arbeitsplatz wo ihrer Erkrankung und hohen Vulnerabilität Rechnung getragen wird.

Auch ich arbeite seit kurzem in so einer geförderten Maßnahme wie im ersten Artikel beschrieben und ich bin sehr froh derzeit darüber. Und wieder einige sind nicht mehr arbeitsfähig. Wenn diese Betroffenen das Glück hatten, schon lange eingezahlt zu haben ins Rentensystem können sie regulär Frührente beantragen, kein leichter Prozess.

Es betrifft aber doch viele Menschen die in jungen Jahren erkranken, und so bereits bevor sie in den Arbeitsmarkt kommen, gestoppt werden. Psychose Erkrankten droht also lange Arbeitslosigkeit, oder und geringes Einkommen durch Sozialhilfe, Frührente. Und das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden. Dadurch fallen auch manche Sozialkontakte weg.

Weitere Sozialkontakte können gefährdet sein, weil die Angehörigen und Freunde mit dieser Krankheit nicht klarkommen, sich überfordert fühlen oder tatsächlich sind, oder sich erst gar nicht damit auseinander setzen wollen.

Widerum haben manche Erkrankte die Schwierigkeit bei Negativsymptomen mit dem Bedürfnis des sozialen Rückzugs zu kämpfen, das heißt man igelt sich ein, und möchte nicht nur wenige Kontakte haben, sondern fühlt sich hoffnungslos überfordert mit anderen Menschen. Auch einen Beziehungspartner zu finden wird eindeutig schwieriger.

Dazu kommt das in der akuten oder chronischen Phase der Psychose Stimmen gehört werden die auf Dauer und insgesamt sehr belastend sein können auch wenn sie selbst banales erzählen. Widerum hören manche befehlende Stimmen die eindeutig zum Suizid auffordern und einen dazu drängen. Dem zu widerstehen ist nicht leicht. Alles zusammen kann auf Jahre hinaus sehr erschöpfend sein, so das der Sog des nicht mehr könnens wächst und die Betreffenden Hand an sich legen.

Durch die Medikamente können bei einigen Fettleibigkeit, Diabetes entstehen, das widerum als Makel gesehen oder empfunden werden kann. Und wie in anderem Beitrag zu ersehen ist, es kann auch zur Obdachlosigkeit führen. Die Spirale geht abwärts.

Was können daher Aspekte sein die einen trotz allem stabil halten, oder aufwärts führen, auch wenn die Grunderkrankung bleibt. Ich kann für keinen anderen hier sprechen, nur von mir selbst erzählen.

Direkt einen Tag nach meinem Nervenzusammenbruch, noch in der akuten Psychose, war ich so dermassen erschrocken darüber, das ich suizidal wurde. Ich konnte einfach nicht mehr, das war zuviel was ich ertragen konnte, war fassungslos was da mit mir passierte und konnte es nicht einordnen.

Wollte nur noch in Ruhe sein, bei Gott, weg von allen Schmerzen. So ging ich in den Wald, dort fand ich eine Kapelle die offen stand, setzte mich dorthinein, mitten im Winter, und fing an von den Schmerzmitteln zu essen, die ich mitgenommen hatte. Nach ein paar wenigen war ich so müde, das ich beschloss einfach hier im kalten sitzen zu bleiben in der Hoffnung für immer einzuschlafen. In meinem Kopf oder war es draussen reale Menschen? hörte ich eine Stimme die sagte, sie kann sich doch nicht bei Maria umbringen, das geht doch nicht. Ich bat Maria um Verzeihung darum, und bat sie wenn sie wolle das ich weiter lebe, das ich gefunden werden würde und man mir helfen würde.

Es vergingen Stunden ich fror erbärmlich, von der Kälte war ich aber eher wacher geworden. Und ich merkte, es kommt niemand mich zu retten, und ich war über den Punkt hinaus weitere Tabletten zu nehmen. So schleppte ich mich total wackelig auf den Beinen nach Hause und schlief dort ein. Am nächsten Tag ging ich dann zum Hausarzt, weiter geschickt zur Psychiatrischen Ambulanz wo man mir half. Von meinem beginnenden Suizidversuch erzählte ich an dieser Stelle und Moment nichts, da ich Angst vor einer Einweisung hatte. Das konnte ich erst in meiner Theraphie aufarbeiten.

Wie bin ich von diesem Tiefpunkt wieder ins Leben gelangt mit all seinen Höhen und Tiefen? Zum einen, ich habe Medikamente bekommen und nehme sie niedrig dosiert, das stabilisert mich und hat mich in akuter Phase von den schlimmen Symptomen des Stimmen hörens befreit. Zum anderen nachdem es mir ja schon in dem Jahr davor sehr schlecht ging, und ich einen Therapieplatz beantragt hatte auf Kasse, bekam ich den dann bald danach. Die Zwischenzeit überbrückte ich mit psychologischer Beratung eines Frauenberatungssstelle.

Diese Erfahrung muss nicht für jeden stimmen, aber ich kann für mich sagen, ich bekomme einen starken Halt durch die Gespräche, aber vor allem das ich weiss da ist jemand die weiss wie es mir zumeist geht, und passt mit mir zusammen auf mich auf. Das entlastet auch.

An überhaupt nicht dritter Stelle kann ich meinen Glauben angeben. Durch den aktiven Glauben alles ins Gebet zu bringen, auch gerade die schmerzhaften Anteile bewirkt es oft, nein nicht immer, enorme Entlastung und das Gefühl ich muss nicht alles alleine tragen von meinem Schicksal, sondern Gott trägt mich mit und begleitet mich und führt mich aus dunkelsten Momenten heraus.

Ein nächster Hilfsanker war, das ich für ein Projekt für arbeitssuchende Menschen mich gemeldet hatte vom AMS gefördert und dort ein paar Wochen einen Kurs für Bewerbungen machen konnte. Vieles war für mich nicht neu, die Tagesstruktur, und unter Leute zu kommen waren enorm wichtig. Dazu auch drei Praktika die ich machen konnte in verschiedenen Firmen bzw. Instutitionen wie z.b. dem Obdachlosenheim für Frauen, das mir wieder ein Wertgefühl und eine sinnvolle Beschäftigung gab.

Weiters wie das endete, dann mein dort weiterhin freiwilliges Engagement und andere Ehrenämter. Ich denke gerade diese Schiene, wenn es irgend wie möglich ist, das jemand auch nur ein paar Stunden arbeitet ist sehr positiv ob im Tierheim, alte Leute besuchen, in einem Naturprojekt mitzuarbeiten oder oder. Ehrenämter gibt es wie Sand am Meer, und so findet man auch wieder Soziale Kontakte, bleibt aber in der Freiwilligkeit der Sache gegenüber.

Auch mich einfach zu bewegen, viel spazieren zu gehen hat mich stabilisiert und ich merke das ist einer meiner Wege Stress abzubauen und wieder aufzutanken. Ja allgemein Stressmanagement gilt es bei dieser Erkrankung zu beachten. Wenn man überfordert ist Ruhepausen, und mal! nicht per se Rückzug einzulegen, sich also auch nicht zu unterfordern. Das kann nur der Betreffende wählen. Sprüche wie du bist nur ein bißchen faul von Angehörigen kann fatal sein. Denn diese Krankheit hat Phasen der Antriebslosigkeit und Erschöpfung durch die sich einer erst mal durchkämpfen muss.

Ich kann also sagen ich hab ein paar Faktoren für mich gefunden um mich stabiler zu fühlen und zu sein. Aber ich weiss auch das größere Krisen wie gehabt, letzten November erneut, trotzdem eintreten können. Da ist es gut mit Therapeuten oder Psychiater gemeinsam zu schauen wie es weitergehen kann. Sich helfen zu lassen, und wenn gar nichts geht sich in der Klinik abzugeben. Auch wenn es hier nicht immer einen freien Platz gibt.

Es ist viel verlangt in dieser Not noch an Türen zu klopfen, daher kann ich nur sagen, die Gesellschaft bzw. der Staat sind gefordert entsprechend Plätze für Theraphie, Klinik bereitzustellen. Auch für die Frühwarnzeichen mehr zu sensibilisieren. Ich hoffe sehr, das ich eines Tages lesen kann, das die Suizidrate bei Psychosen u.a. gesunken ist. Das ein Leben trotz Krankheit lebenswert sein darf, und so empfunden wird, und man spürt, es lohnt sich zu kämpfen.

Wenn du Betroffen bist, dann gib bitte nicht auf, du bist wertvoll, du bist liebenswert, du bist ein wichtiger Puzzlestein auf dieser Welt. Ich drück dich einfach mal ganz herzlich. Lg, Bernadette

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