Was Obdachlosigkeit mit psychischen Erkrankungen zu tun hat

Ich habe letztes Jahr ein Praktikum in einem Obdachlosenheim für Frauen gemacht. Es gefiel mir dort so gut, die Arbeit für die Frauen, das ich es im Ehrenamt beibehalten habe.

Ich gehe seitdem ca. einmal die Woche dorthin. Meistens mache ich Nachtdienst, weil sich das mit meinem übrigen Wochenplan am besten koordinieren läßt. Das heißt ich gehe Abends hin, bin ca 2h mit und für die Frauen aktiv und gehe dann schlafen.

Das heißt in erster Linie zuhören, mal ganz locker nachfragen wie es den einzelnen so geht. Die Frauen dürfen in diesem Heim von ein paar Wochen zu Monaten bleiben. Jede hat ihr eigenes Zimmerchen mit Bad. Und alle gemeinsam eine Küche und ein Wohnzimmer.

Diese sind nur zu Tageszeiten zugänglich. Wenn abends oder Nachts eine neue Frau kommt, kann sie vorerst, eine Nacht im Wohnzimmer auf der Couch schlafen. Am nächsten Morgen während der Woche sieht dann die Hauptamtlich angestellte ob es ein Zimmer frei gibt, ob sie die Voraussetzungen erfüllt, oder sie an ein entsprechendes anderes Frauenwohnheim oder Notschlafstelle überwiesen wird.

Wir sind die einzigen in unserem Bundesland wo Frauen auch ihre Haustiere mitnehmen können. Das ist sonst sehr bitter, wenn man diese in der ärgsten Not, oft die einzigen Freunde, auch noch aufgeben müßte.

Ganz praktisch bin ich dann noch zuständig für Sachen rausgeben des alltäglichen Bedarfs Zahnbürsten, Bettwäsche zum wechseln, und den Kaffe morgens aufzusetzen, Milch u. andere Spenden aus dem Keller zu holen. Mal Hauswäsche für alle zu waschen.

Es gibt unendlich viele verschiedene Schicksale wie Lebenswege. Eines wird einem schnell klar, das könntest auch du sein. Es braucht nur wenige Knicke in der Biographie und zack bist du in der Obdachlosigkeit schneller als du schauen kannst.

Ich glaube das viele in der Gesellschaft sich deshalb über diese Menschen darüber stellen, weil es ihnen sonst zu nahe kommen würde. Wie brüchig das Leben doch ist. Wie verletzlich wir alle sind. Und wie viel oder wenig eine aus der Bahn werfen kann.

Ein Grund von vielen ist das einige Frauen psychisch erkrankt sind. Wenn sie in einer Psychose sind ob akut oder schon chronisch, und ihnen das nicht bewusst ist, können sie sich ja keine Hilfe holen.

Das heißt aber bei Stimmen hören, das wenn eine eine Wohnung hat, das sie diese dann eventuell aufgibt, weil sie sich dort eben verfolgt fühlt. Sich beobachtet fühlt. Und das kann ein Grund sein das sie diese Wohnung verliert.

Wenn Sie zu uns kommt um eine Weile hier zu wohnen, erkennt man bald den Zustand dieser Frau. Durch Gespräche kann man bei wenigen bewirken, das sie zulassen sich Hilfe zu holen. Das kann sein vorübergehend in eine psychiatrische Klinik zu gehen, um sich u.a. checken zu lassen, und sich gut auf Medikamente einstellen zu lassen. Das kann auch sein, das ein anderes Obdachlosenprojekt für Frauen das nur für psychisch Erkrankte ist, einen Platz frei hat und sie übersiedeln kann.

In einigen Fällen ist es aber so, die Psychose ist chronisch bzw. Schizophrenie und die Frauen sind durch die Akutheit dieser Krankheit nicht fähig zu erkennen das sie Hilfe brauchen. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Denn wie bei mir selbst unter P….wie….beschrieben, erkennt man ohne Medikamente nicht das man in einem Wahngebilde gefangen ist, und die Stimmen nur im Kopf vorkommen. Mir kommt das aufgrund meiner eigenen Erkrankung ziemlich nahe. Denn wo kein Einsehen, keine Hilfe, bzw. nur vorübergehend, aber manche Frau zieht auch hier weiter weil sie sich ja auch im Obdachlosenheim verfolgt fühlt.

Ganz arg wird es, wenn eine Frau deswegen nicht einmal ihren realen Namen nennen möchte, und es so nicht möglich ist für sie staatliche Hilfe zu beantragen. Und sie so nicht mal den minimalen Beitrag von Miete dem Heim geben kann. Aber auch vor allem sich so kein Essen ausser den Spenden leisten kann.

Wir Mitarbeiter haben da schon uns öfters unterhalten. Das traurige ist man kann die Menschen ja nicht dazu zwingen, will man auch nicht, das sie Medikamente nehmen u.a. und solange sie keine akute Gefahr für sich sich selbst und Fremde sind sie auch nicht einweisen lassen in die Klinik.

Das heisst sie sind in dem Teufelskreislauf gefangen, wenn sie sich nicht öffnen für Hilfe. Und landen wieder auf der Strasse, oder in anderen Heimen. Hier ist die grosse Frage, ist uns das als Gesellschaft egal, wo ist zuviel Freiheit unproduktiv oder sogar gefährlich? Keine einfachen Fragen und nicht einfach zu beantworten. Was wir tun können, was bleibt ist diese Frauen wie die anderen die zu uns kommen respektvoll zu behandeln, auf sie einzugehen, und vielleicht, öffnet sich ein Türchen des Vertrauens.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s