Liebe

Was schreibt ne kleene (quasi weil Ehegelübde) Nonne dazu? 🙂 Mir ist aufgefallen wenn wir von Liebe sprechen meinen die meisten Menschen ihre Liebesbeziehung, also Partnerschaft. Oder meint die Eltern – Kind Liebe. Hier im Vordergrund die Mutter – Kind Liebe. Wenn wir davon sprechen das wir nicht soviel Liebe erfahren haben meinen wir meistens einen dieser beiden Bereiche.

Tatsächlich wenn wir davon absehen, eröffnen sich viele Welten, kleine Inseln wo wir ob nur einen kleinen Moment das Gefühl der Liebe erhaschen, es auf uns niederriselt oder fröhlich wie ein Konfettiregen daher kommt. Wenn Menschen davon freier sind, sind Beziehungen auch nicht so belastet weil man dann nicht nur in der erwartungshaltung zu dem einen Menschen ist.

Ich liebe tatsächlich Jesus. Das ist nicht abstrakt, sondern im Gebet wenn ich mit ihm mich „unterhalte“ ist auch das Gefühl von Liebe und Wertschätzung dabei. Und im Alltag blitzt das dann manchmal in kleinen Situationen auf.

Eine ganz andere Liebeserfahrung erlebte ich vor vielen Jahren. Ich bin ja als junge Frau nach Berlin gezogen, mit einem Koffer im Gepäck und nen Schlafsack. Es war September und die Mauer in Berlin tat was sie seit vielen Jahren getan hat, still rumstehen zwischen Ost und West. Es war 1989, und so geschah es das ich kaum angekommen in dieser Stadt und diesem Land, mitten in die Zeitgeschichte platzte. Ich wußte damals echt kaum etwas über die Mauer und die Historie, aus der Schule war im Zusammenhang mit Deutschland natürlich die Zeit des dritten Reiches und 2.Weltkrieg präsent. Aber zur Mauer hatten wir kaum Stoff behandelt.

Ich war am 9.November bei meiner Schwester, die ein Jahr vor mir nach Berlin gezogen war und ihrem Freund zu Besuch. Er hatte sogar einen Fernseher, und beide recht früh für die damalige Zeit hatten PC´s. Die Glotze lief nebenbei, und plötzlich kamen diese News über den Äther. Die Mauer ist offen, die ersten Bilder erschienen auf dem Bildschirm, wir saßen wie gebannt da. Obwohl ich es politisch kaum einordnen konnte, wußten wir das ist was ganz grosses was hier passiert. Leider war ich zu scheu was Menschenansammlungen betraf und so blieben wir an diesem Abend in der Wohnung.

Am nächsten Tag und noch an zwei weiteren Tagen zeigte mir das Berlin, das doch recht schnoddrig daherkam, ein ganz anderes Gesicht. Die Leute schoben sich in Massen in die U – Bahn Eingänge hinunter, die Züge waren knallvoll, in den Strassen waren so viele Menschen unterwegs. Aber anstatt einem wüsten Gedränge schwebte über allem ein Leuchten aus den Augen der Leute. Ein Strahlen war da, man lächelte sich offen an, es war als wär man in eine kollektive Verliebtheit gefallen. Das war so ein inniges und berührendes Gefühl, das ich noch heute viele Jahre später Gänsehaut davon bekomme. So könnte also die Welt aussehen, wenn wir zusammen uns einer positiven Gefühlsregung hingeben. Liebe im Raum. Im Blick. In der Bewegung, in der Kommunikation.

Ja, und dann? Dann gab es Begrüßungsgeld 100 DM soweit ich mich erinnere, und überall an allen Supermärkten gab es Schlangen, die Leute kauften mancherorts die Regale leer. Auch bei Beate Uhse standen nicht nur die Männer sondern auch die Frauen mit Kindern Schlange. Und der Wind drehte sich, aus der Offenheit blitze ein neues Gefühl auf. Der Neid is a Hund, all die tiefen Gräben die sich noch zeigen sollten zwischen Ost und West, Jammer Ossis und Besser Wessis, all die Zuschreibungen und Verhärtungen standen nun im Raum.

Und die Liebe zog weiter.

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