Nomade in mir

New Zealand Wild Beach here I come home

Meine erste Erinnerung in meinem Leben mit 3 Jahren ist ein Umzug. Mein erster. Freud hätte seine Freude an mir. Meine Eltern hatten sich getrennt und meine Mutter ist mit uns, mir und meinen zwei Schwestern weggezogen. Es war ein freudiges aufregendes Gefühl, nicht weil sie meinen Vater verlassen hatte, das verstand ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, kam erst Jahre später das ich es begriff das wir alle für immer getrennt sind.

Als Kind spürte man den Neuanfang, und das prägte sich mir ein. Auch als wir dann zurück in ihr Bundesland wieder umzogen, und dort in einer kleineren Österreichischen Stadt, wieder umzogen, und wieder umzogen. Und schwupps war ich schon eine junge Erwachsene und eines konnte ich darauf war Verlass, umziehen.

I have no roots….der Song geht mir durch den Kopf. Dann folgten in schneller Abfolge Auszug von zuhause, abhauen wäre treffender, mit meinen handvoll Sachen auf einem Leiterwagerl das ich frühmorgens zog, damit meine Mutter mich nicht mehr stoppen konnte. Und rasant schneller ging das Karusell, dazwischen Schauspielschule, und mein erster Suizidversuch.

Und auf Neuanfang. Dann mit einem Koffer und Schlafsack ab nach Berlin getrampt 89 kurz vorm Mauerfall. Und noch schneller zog ich durch andere Leute Wohnungen per Mitwohnzentrale, immer nur ein paar Wochen wenn ich Glück hatte sogar Monate, bis ich endlich eine erste Untermietwohnung inoffiziell mieten konnte. Mein Vermieter war Häuserbesetzen im Prenzlauer Berg. Wie es im zu bunt wurde, mußte ich wieder weiterziehen.

Mittlerweile hatte ich einen kleinen Hausstand, durch ständiges Umziehtraining, wusste ich wie man Kistchen leicht packt, die To Do Liste abarbeitet, und sich vor allem auf die schnelle eine neue Wohnung organisierte. Und Freunde zum Helfen zusammentrommelte. Ich war dafür oft Helferlein bei anderen. Ich wurde dann eine Weile beständiger nur noch ca alle 3-4 Jahre Wohnungswechel folgten, und dann wieder schnellere Abläufe. Ich verbesserte mich aber stetig, von inoffizieller Wohnung, ohne Heizung in Küche, nur Kachelofen in Zimmer, ohne Bad, aber immerhin Innenwc, mauserte ich mich zu Zentralheizung, Bad wie schön sogar schließlich mit Heizung darin und besseren Bezirken innerhalb Berlins.

Und dann ich hatte es mir so lange gewünscht, ging ich für ein halbes Jahr nach Italien arbeiten als Reiseleiterin, Nanny, ach Mädchen für alles, für ein Nichts von Einkommen. Retour Berlin, noch hatte ich eine Rückversicherung meine Möbel in Lager untergebracht. Noch mehr Umzüge, und dann war es soweit ich wollte nach 21 Jahren kreuz und quer Berlin Wohnen endlich diese Stadt verlassen und flügge werden.

Aber wohin gehörte ich denn eigentlich? Zurück, nach Österreich, ich war so fremd da, und dann gabs auch zu der Zeit all die komplizierten Familienverhältnisse. Obwohl eigentlich war meine Familie noch nie „normal“ es gab zu oft Drama. Ich hatte so eine Sehnsucht nach der Ferne und ankommen und frei sein und und….

Daher spielte ich ein Spiel mittlerweile war ich ja für meine Verhältnisse gesetzt und hatte doch eine Grundausstattung einer Wohneinrichtung und Kram beisammen. Ich stellte mir vor, was wenn ich im selben Land, Deutschland umziehe mit Kastenwagen, wieviel kann ich dann mitnehmen? Und soviel mistete ich aus. Wieviel kann ich in ein anderes Land mitnehmen wenn es nur ein Autokastenwagen ist, und mehr flog raus. Wieviel nehme ich mit wenn ich ein Land umziehe, wohin ich fliegen muss. Klar gibt es Container, aber das lohnte mit meinen Sachen nicht. Die Sachen flogen weiter raus. Und erst jetzt kristallisierte sich ein Ziel heraus. Es sollte Neuseeland sein, ein Land indem ich noch nie gewesen war, das sehr schön aussah auf Bildern, und ich mir dachte, ich hab mich in Berlin durchgeboxt das wird wieder gehen.

Und so folgte ich meinem Herzen, meiner Sehnsucht mit einem Touristenvisa in der Hand. Ohne die Erlaubnis zu arbeiten, schlug ich mich durch mit tausche Arbeit gegen Essen & Bett, in einem B&B in Auckland ging das eine Weile ganz gut, auch wenn mein Erpartes bald ganz dran glaubte. Dieses Land war so schön für mich, diese Weite, das Meer, das hier so wild sein konnte zog mich in den Bann. Ich war fast glücklich, nur eben gestresst wie überleben. Eine reguläre Arbeit-erlaubnis fand ich nicht, und so hieß es nach 6 Monaten völlig blank, mit vielen Eindrücken reicher, zurück zu gehen. Aber es gab ja gar kein Zuhause mehr, ich hatte alles auf eine Karte gesetzt. Sogar in den Friedhof in Auckland in den Westies hatte ich mich verliebt, hier würde ich gerne mal begraben werden, weil selbst der Friedhof wildgewachsen war. Ohne Begrenzungen der Gräber. Frei.

Wohin nun? Ich hatte durch diese Zeit dort, manches abschütteln können, mich frei machen von alten Verpflichtungen, die mich nicht mehr real banden im alltäglichen Leben, aber emotional, an jüngere Familienmitglieder.

Kurz nach Österreich, keinen Plan mehr wohin, dann tauchte ein Jöbchen auf in Lissabon, das sich ohne Krankenversicherung etc als nicht das wahre entpuppte. Das Karusell wurde schneller wieder.

Doch Österreich eine Annäherung erfolgte. Wien da wo ich nie hinwollte diese Stadt lernte ich nun ein wenig kennen. Ein Jahr hielt ich es aus, ich fühlte mich hier fremder als in Neuseeland. Ich hatte Heimweh nach dem Meer, trotz der überschaubaren Zeitspanne die ich dort gewesen war. Fühlte mich an nichts mehr gebunden. Hatte weiterhin nur einen Koffer, den ich abwechselnd mit Sommer- oder Winterkleidung befüllte.

Rastlos. Entwurzelt das war ich. Mit Sehnsucht zum Platzen. Dann mit letzter Kraft nach Australien. Und wusste schon bevor es losging das geht schief, das ist nur noch ein Weglaufen. Ich kam aus der Umziehschleife gar nicht mehr raus. Und es ging mit Karacho schief. (vielleicht in einem anderen Post mehr dazu) Und unsanft wurde ich in Österreich wieder abgesetzt.

Wien. Und dann ….ging ich zurück in die Stadt meiner Mutter. Wo ja keiner mehr wohnte weil alle früh verstorben waren. Allein. Neu. Fremd. Im eigenen Land. Wer war ich – wohin gehörte ich? Eine eigene Wohnung mieten wie fremd war das nach ein paar Jahren Schnellkarusell geworden. Nicht mal ne Matratze hatte ich, wie früher. Und ganz langsam fing ich mich an niederzulassen, äußerlich. Dann nochmal Tapetenwechsel, auf Grund von Mobbing, neue Wohnung neues Glück.

Und P…wie….Psychose. In 49 Lebensjahren 48 mal umgezogen. ( wenn ich alle kurzen Stadtionen mitrechne, die nur ein paar Wochen dauerten) Und nochmal ein Neuanfang diesmal gleich ums Eck im selben Haus. Ich wohne wieder in einer wenig eingerichteten Garconiere, ist alles da was mein kleines Nonnenherz begehrt. Nur Haustiere darf ich hier keine haben, und wenn die Trauerzeit nach meinem kleinen Katerchen vorbei ist, ja dann…

Und immer mal wieder wenn mir alles zu nahe kommt, zu fremd ist, flackert die Sehnsucht auf den Koffer zu packen, alles zurück zu lassen, und einfach zu gehen. Wohin mein Herz mich zieht. Und mitten in der Bewegung, der Zugvögel anzukommen in mir. Meinem Haus, meinem Ich, meinem Körper und Seele. Und ein Schild das sagt, hier wohnt Bernadette. Du kannst sie besuchen, vielleicht ist sie gerade zuhause.

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