Todesmonat

Noch ist nicht der Todesmonat, aber ich spüre wie er auf leisen Sohlen wieder angeschlichen kommt. März, der Monat wo die Primeln und Himmelschlüssel blühen, das grüne Gras frisch daherkommt, die Menschenseele das Grau des Winters ablegt zusammen mit den faden dunklen Winterklamotten und anfängt zu leben und zu blühen.

Bei mir ist dieser Monat seit so vielen Jahren mit dem Tod verbunden. Und manches Jahr früher hat es mich schon im Januar aus der Kurve geworfen. Die letzten Jahre ist es besser geworden, aber es ist gilt noch immer den März zu überstehen, bevor mein Frühling losgeht.

Wir waren ja ein Dreimäderlhaus, wie die Orgelpfeifen immer 2 Jahre Unterschied, ich die jüngste das Sonnenkind, das lächelte und zu lachen hatte. Die älteste war Beatrice, die grosse Schwester, die nicht nur das war sondern uns beiden anderen auch Vater Ersatz, nach der Scheidung war, wir blickten immer zu ihr auf, selbst wenn sie uns mal besserwissend gehörig auf die Nerven ging. Sie wurde zu dem Typ Kindfrau, blond, blauäugig ganz der Typ der Männer ohne Ende anzog. Spatzi war ihr Spitzname.

Meine Schwester Lisbeth, auch Lilith genannt, das Sandwichkind, die eine ganz ruhige zwischen zwei quirligen Geschwistern war und die mal mehr mit der älteren dann mit mir Küken abhing je nach Altersstufe oder Fasson. Sie war so zart, wie eine kleine Elfe, das ich sie obwohl älter immer beschützen wollte, und das obwohl sie mir schon mal zeigte wo die Harke ist. Zuerst Turnerin, die mal Sport studieren wollte, und dann durch eine Hüftluxation, die eigentlich schon als Baby da war und den vielen Sport es sich verstärkte, bald in den OP Sälen gelandet und mit Krüken zeitweise gehend. Auch sie apart anzusehen mit rötlichen Haaren und grünblauen Augen, wir nannten sie Püppi.

Wie sie wohl heute aussehen würden, denken, welchen Interessen nachgehen, wie ihr Charakter wohl wäre. Ich werde es nicht erfahren, denn sie leben nur noch in meinem Herzen.

Spatzi hat sich mit 29 Jahren das Leben genommen. Suizid wie das so schön heißt. Selbstmord wie manche sagen. Sie war so auf der Suche nach sich selbst, so verloren die grosse schöne starke Schwester. So zerissen. Dann Mutter eines kleines Sohnes. Glück und Überforderungen als Single Mutter der Versuch alles richtig zu machen, was bei uns in die Hosen gegangen war. Sich aufreibend, ihrem Guru nachfuhr um ein bißchen mehr Richtung Erleuchtung zu erhaschen.

Aus dem Rahmen fallend, an Schizophrenie erkrankt, die Angst so zu werden wie meine Mutter das waren ihre letzten Worte am Telefon die wir wechselten und ich konnte sie so gut verstehen, keiner wollte (pardon Ma) so werden wie meine Mutter. Den Sohn zu Pflegeeltern, vorübergehend, Medikamente, abgesetzt, der Meinung keine Gesprächstheraphie zu brauchen, noch mehr Esoterikquatsch Energiehealing Sessions auf der Suche nach Heilung. Der Gerichtstermin ganz nah wo die Pflegeltern die eigentlich keine Kinder adoptieren oder länger aufnahmen dafür eintraten das sie dieses Kind behalten konnten. Ein letzer Anruf bei meinem Vater, er busy wie immer, morgen, dann die Schienen, die Angst vor allem, was für eine Einsamkeit muss sie gehabt haben, und dann der Zug, der aus ihr viele machte, so wenig blieb übrig das meine Tante nur noch ein kleines Tuch brauchte um sie begraben zu lassen im grossen Sarg. Unsere Mutter nicht aufzutreiben wo war sie, sie sollte noch 2 Jahre verschollen bleiben.

1995 der 22 März so lange her und unvergessen. So ein Schock, so viele Schuldgefühle, so viele warums, hätten wir? Auf dem Grabstein steht „Liebe“.

Lilith starb am 2. März 2000 mit 32 Jahren jung. So rasant schnell hatte sich der Krebs ausgebreitet, im Frühling erste Anzeichen da stimmt was nicht, aber ihre Ärztin wollte trotz Blutungen nicht nachforschen. Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl und drängte sie zu einer anderen Frauenärztin zu gehen. Jaja, nach dem Urlaub auf Lanzarote mit Mann und Neffen der mittlerweile bei ihnen lebte nach Beatrices Tod.

Und dann Diagnose Krebs, wir können sie operieren, apfelgroßer Tumor, Gebärmutter raus, weg sie machte sich noch Sorgen das sie nun keine eigenen Kinder bekommen könnte, und ich machte mir Sorgen ob sie überleben würde und wie lange. Es war ein agressiver Krebs, oder so aktiv wie ihre jungen Jahre, sie wurde ein Hauch von Nichts. Federleicht, die Knochen schauten heraus. Es war nicht zum aushalten.

Gott ok eine Schwester gestorben, aber du kannst mir nicht die zweite Schwester nehmen, nicht jetzt schon. Ich bin doch nicht Hiob um den du wetten kannst. Die Ärzte gaben sie auf, dann durften wir sie mit nach Hause nehmen, wo das Tun erlischt im Krankenhaus, sind sie erleichtert wenn die Patienten weg sind. 14 Tage, Schwager, ihre Schwiegermutter und ich die abwechselnd nach ihr schauten rund um die Uhr. Ich konnte nicht mehr, auch bei ihrem Entschwinden zuzuschauen, diese Schmerzen, immer musste man um Schmerzmittel kämpfen damit es genug war. Neffenkind der sich zum Fasching als Tod verkleidete, zum zweiten Mal seine Mutter verlor. Wo sollte das enden.

Noch ein letzter Schwesternstreit und wieder Versöhnung bis zum Sterbebett das immer gleiche. Schwestern halt. Hatten ja bis zum Kindergarten alle drei ein Zimmer gehabt, und dann mit ihr bis ich 18 war und sie auszog.

Und dann schlief sie und ich ging mit ihr im inneren (im Geiste)durch einen Gang der war wunderschön ausgeschmückt mit Edelsteinen die sie so liebte und sammelte, und dann eine Glastüre die automatisch aufging ein letztes umschauen und sie ging hindurch. Für mich kam die Ansage das ich zurückbleiben musste. In diesem Moment machte sie einen so tiefen Atemzug, fern von normaler Atmung und blies den Lebensatem aus.

Ich rief noch nach den anderen die vor lauter Erschöpfung tief schliefen. Aber sie wusste sie konnte nur bei mir gehen, weil ich sie loslassen konnte. Ihre letzten Worte bei Bewusstein, Bernadette ich will so gerne leben, aber ich hab so Angst davor?

Was war mit dem fröhlichen Dreimäderlhaus nur passiert. Suizid. Krebs. Und meiner einer laborierte bevor und nach ihrem Tod mit Suizidversuchen herum. Nicht auszurotten, die einzig übrig gebliebene. Was fehlt ihr mir liebe Schwestern so sehr. Wie viele Jahre habe ich mit dem Sog euch nicht nachzufolgen gekämpft, und immer gewonnen damit ihr Stolz auf mich sein könnt, damit ich mein eigenes Leben fasse. Und die Orkane wurden leiser, ruhiger, Heiterkeit fand ihren Platz. Ich spüre Euch immer wieder mal, weiss das ihr da seid, trotz aller Vergänglichkeit. Ich danke Euch für alles was ihr mir beigebracht habt, für alle Liebe und Lachen und Weinen miteinander. Ich umarme Euch beste Schwestern dieser Welt. Wartet auf mich wenn ich eines Tages zu Euch darf.

In Liebe Eure Bernadette

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