Mein Freund Jacques de Jésus

P. Jacques de Jésus, Karmelit, 1900 – 1945

Freund meint hier im Geiste und aus vollem Herzen. Entdeckt habe ich dich Jacques als ich zum Schnupperbesuch bei dem 3.Orden der Karmeliter war. Dort in der Kirche lag dein Andachtsbild mit diesem unglaublich frechen Grinsen im Gesicht. Du gefielst mir auf Anhieb, was warst du wohl für einer Gewesen? Nicht mächtig des Französischen fand ich doch Bruchstücke zu deiner Biographie.

Du warst so kurz nach meiner akuten Psychose mir wie ein Begleiter der buchstäblich vom Himmel gefallen war. Auf meinem Nachtisch – der auch Gebetstisch ist fandest du einen Platz, Grinsekatze Mönch. Mit dunklen Gedanken ringend, schicktest du mich einfach ins Cafehaus als ich dich um Rat bat, und prompt traf ich Leute die mich wieder einen Tag weiterbrachten. Seit dem spüre ich das du mein Begleiter geworden bist, und seis nur drum weil ich dich im Gebet um deinen Beistand bitte. Du bist nicht heiliggesprochen, aber einer der Menschen die heiligmachend sind.

Wer bist du? In Frankreich geboren als Lucien Bunel, zum Priester geweiht, dem Orden der Karmeliten in Lille angeschlossen. Lehrer, Direktor, des Petit College. „Die Erziehung – die echte, jene, die allein vollständige und endgültige Ergebnisse hervorbringt – besteht darin, den Kindern beizubringen, von ihrer Freiheit Gebrauch zu machen“.

Dort hast du jüdische Kinder versteckt. Jüdische Lehrer eingestellt. Aktiv in der Resistance. Die Kinder wurden enttarnt. Festnahme der Kinder. Und du sagtest zu deinen Schülern „Auf Wiedersehen, Kinder, macht ohne mich weiter“. Und du wirst auch verhaftet. Die Kinder werden nach Auschwitz deportiert. Du wirst interniert in verschiedenen Lagern. Zuletzt Mauthausen/Gusen.

Er steht den Kranken bei. Geht mit Hoffnung der Mutlosigkeit entgegen. Wärme gegen Hass. Predigt. Verteilt Essen gerecht inklusive seiner eigenen geteilten Rationen. Ein Lagerkamerad, “ er machte aus diesem Lager (Gusen) ein Kloster nach seinen eigenen Dimensionen“. Er betet mit den Gefangenen, zeigt ihnen das Jesus mitten unter ihnen ist. Er feierte heimlich mit ihnen die Messe und spendete die Kommunion. Er konnte Medikamente und Kleidung organisieren. Er gab ihnen das Menschsein zurück in der Hölle.

Am 5. Mai 1945 befreien die Amerikaner die Inhaftierten des Lagers Gusen.

Am 2. Juni stirbt er völlig entkräftet durch Hunger, Strapazen, Tuberkulose im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, Österreich. Seine Leiche wird überführt nach Frankreich. „Endlich findet man plötzlich alles, was man mühselig in Jahren der Finsternis gesucht hat: da, ganz nahe und für alle Ewigkeit“.

Sein Leitbild: „Oh ja, mein Gott, mich so tief mit Dir in der Stille und der Sammlung vereinen, dass ich Dich immer um mich herum ausstrahle“.

Au revoir les enfants, Auf Wiedersehen Kinder, von Louis Malle, der ihm ein filmisches Denkmal setzt.

Au revoir, Jacques sagten die Kinder und lächelten.

Danke das du in mein Leben gekommen bist, Jacques de Jésus.

4 Kommentare zu „Mein Freund Jacques de Jésus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s