Ich werde älter….

was auch sein gutes hat, denn das heißt ich werde älter, sprich ich lebe nun im 50sten Lebensjahr auf diesem Planeten Erde. Reife Leistung, ohne eigentlich. Natürlich brauche ich die eine oder andere Wartung. Meine Brillenstärke bei 0,5 Diopt. mit 12 Jahren angefangen, ist nun raufgeschossen auf 8! Dioptrien. Ein kleiner Maulwurf. Zum Glück bin ich noch von der Phase Hörgerät ein Stück entfernt.

Derzeit plagt mich aber mein Fuss. Wie hieß der Film, mein Linker Fuss, genau der schmerzt seit einem halben Jahr. Nachdem ich endlos lange gebraucht habe um zum Arzt zu gehen, sagte er mir meine Füsse sind abgelaufen, sehr lustig, Butter oder Jogurt ist abgelaufen. Hei ich bin erst fast ein halbes Jahrhundert. Und da heißt es immer so schön, spazieren gehen ist gesund. Bin ja ohne Auto aufgewachsen, und hab bis jetzt keinen Führerschein. Daher sind die Füsse nun platt, keine Senkung mehr, sprich eine veritable Mittelfussentzündung eingefangen. Zuerst nur ein Stückchen aua…und das breitet sich aus. Taubheitsgefühl, geschwollen, und sticht zwischendurch wie kleine Nadeln. So wie wenn was bißchen erfroren war und wieder auftaut.

Was tun, ich werde Einlagen bekommen, gibt schlimmeres, hoffe ich laufe dann bald wieder ohne Schmerzen rum. Aber ich frage mich warum brauche ich so lange um mir Hilfe zu holen. Warum denke ich es ist zu blöd wegen so einer Kleinigkeit zum Arzt zu gehen. Warum brauche ich soviel Anlauf um zu sagen, mir gehts nicht gut, oder mir geht es richtig unterirdisch. Auch auf Arbeit wo wir Trainerinnen haben, zu denen man gehen könnte, tu ich mir echt schwer. Da heul ich ein paar Tränchen versteckt lieber im Bad. Immerhin konnte ich mich mal aufraffen drüber zu reden.

Wenn ich Suizidgefühle hatte, erstmal nur Gedanken die näher kommen, denke ich mir da rufe ich jetzt nicht extra meine Therapeutin an, will ihr ja nicht das Wochenende vermiesen oder so. Letzlich hoffe ich nur das ich dann bis zum nächsten Termin wieder ok bin, und ja da bin! Vor was hab ich da Angst? Mir die Blöße zu geben, das ich nicht fröhlich herumspaziere? Das ich Hilfsbedürftig bin. Das ich denke, da muss ich eh durch, auch wenn ich es erzähle, bleibt die Verantwortung auf meinen Schultern, die nimmt mir ja keiner ab. Das mein Bild angekratzt ist, das da viel mehr Brüche sind als nur helle Flecken. Das ich vulnerabel, verletztlich, bin gar das Hasswort labil einem einfallen könnte.

Und doch wie erleichternd ist es wenn es einem nicht gut, davon erzählen zu können, den Druck zu mildern, abzulassen, Dramatik rauszunehmen, und so vielleicht auch zu spüren das sind jetzt „nur“ Gedanken oder das ist schon ernster, wir sollten uns mal Sorgen machen.

Ich hoffe ich lerne noch zeitnaher zu sagen, wenn´s mir wirklich nicht gut geht, nicht nur bei Suizidgedanken, sondern auch wenn ich einfach mal einen Einbruch habe. So wie kürzlich diese Woche eben auf Arbeit, da ist auf dem Weg dahin mein schönes rosa Fahrrad kaputt gegangen, die Pedale so angerostet, das ich mitten im Fahren nicht mehr treten konnte, zum Glück war ich gerade bergauf gefahren, musste abspringen mitten drinnen, hatte voll einen Schreck weg. Und wieder ne Rechnung die ich nicht gebrauchen kann. Da war ich dann voll blass auf Arbeit, die Kolleginnen sind da echt sensibel haben sofort gemerkt das mit mir was nicht stimmt. Und ich hab mal geschafft zu sagen, das ich ein paar Minuten Pause aufn Balkon brauche. Und dann konnte ich doch kurz mit Trainerin reden, über das und die Schmerzen im Fuss. Und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr so …allein, und der Druck ging weg und der Schreck. Und ich bin noch immer die fröhliche Kollegin, kein Zacken ist mir aus der Krone gefallen.

Ich hoffe ich lerne das jetzt echt mal mehr. Da sind Menschen draussen, die sind da für mich ob ein paar Minuten, oder länger, die stossen mich nicht weg, wenn es mir schlecht geht, die verlassen mich nicht prompt alle. Klar hab ich diese Erfahrungen auch machen müssen in jungen Jahren nach den Schicksalschlägen mit meiner Familie das es für die damaligen Freundinnen die so jung wie ich waren, es zuviel war, bzw. die nicht wussten wie damit umgehen und ich noch nicht artikulieren konnte was ich brauche. Und ja auch nach der Psychose sind Menschen weggeblieben, obwohl sie kein unmittelbarer Stress getroffen hat. Aber andere sind geblieben, daran sollte ich mich orientieren.

Darum bete ich jetzt mal, lieber Gott gib mir die Kraft und den Mut mich zu öffnen wenn es mir nicht gut geht, das ich vertrauen lerne das Menschen für mich da sind, und bleiben, das sie mich weiterhin als lieben, mal lustigen Menschen wahrnehmen auch wenn ich andere Seiten habe die auch erschreckend sein können. Lass mich annehmen, das Menschen da sind die sich freuen das es mich gibt. Und das ich noch länger da bin und meine Füsse ablaufe auf diesem Planeten Erde, der so wunderschön sein kann, das es schmerzt.

Danke Gott, Lg Bernadette


5 Kommentare zu „Ich werde älter….

  1. Hallo Bernadette,
    es ist schwierig sich zu öffnen und wenn ich mich jemanden gegenüber öffne, dann ist es Gott. Nicht immer im Gebet, oft im Zwiegespräch. Oder ich höre die Paulanerband oder andere christliche Musik. Ich lasse mich fallen, lege mein Leben in Gottes Hand. Das gibt Kraft und Stärke, so wie das Heilig Abendmahl.

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  2. Ayayay, du trägst aber sicher auch Kontaktlinsen oder? Meine Mutter hat auch so schlechte Augen, aber die trägt nur Linsen. Die Brille wiegt ja sicherlich nen Zentner :S

    Das mit deinem Fuß ist wirklich blöd. Schade, dass Quark und so nicht halfen.
    Du solltest dich etwas ernster nehmen 🙂

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    1. 🙂 Hab von jungen Jahren an Brille und Kontaktlinsen abwechselnd getragen, die letzten Jahre fast keine Linsen mehr, die Augen werden zu trocken. Aber die Brillen heutzutage sehen selbst bei so´ner Stärke voll gut aus. Auch wenn ich ja ne Brillenschlange aka Bücherwurm bin.
      Die andere Paste jetzt aus Apotheke tut dem Fuss schon ein bißl besser. Morgen hol ich die Einlagen ab, mal sehen wie es sich entwickelt. Geduld.
      Und den Rest übe ich….

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