Mehr als überleben, eine Glaubenszeugin aus Ruanda

Ich habe bereits über Jacques de Jesus geschrieben, heute möchte ich wieder jemanden vorstellen der seinen Glauben tief im Leben verankert hat und durch die dunkelste Wege zum Licht geht.

Eine Frau Immaculée Ilibagiza, eine Tutsi, aus Ruanda die den Völkermord überlebt hat. Sie war damals eine junge Studentin voller Tatendrang, kam aus einer sehr sozial engagierten und christlichen Familie die in ihrem Dorf viel gutes bewirkten. Trotzdem die vielen Risse da waren zwischen Hutu und Tutsi. Man war sich bekannt, Leuten heirateten untereinander und doch die Gräben wurden tiefer.

Als das unfassbare Gemetzel losging konnte sich Immaculée in letzter Minute bei Nachbarn verstecken, zusammen mit mehreren Frauen auf einer winzigen Toilette mit Dusche wo sie nicht mal gemeinsam liegen konnten, sondern sich abwechseln mussten um zu schlafen im Liegen und im Stehen. Versteckt nur von einem Wandschrank der die Türe verdeckte, umgeben von den Horden der Hutu die auf der Suche waren alle Tutsi auszurotten, auszulöschen wie Geziefer, wie gelehrt worden waren um dem Menschen nicht mehr zu erkennen. Die aus Nachbarn die sich kannten und halfen, Todfeinde machten, die es zu erlegen gab, die einem kollektiven Rausch des Tötens und Vergewaltigens folgten. Um sich danach am Hab und Gut vieler zu bereichern.

So eingesperrt viele unendliche Wochen, nur am Leben gehalten von winzigen Rationen Lebensmittel, kaum Schlaf, kein Duschen möglich aus Angst vor Entdeckung, voller Sorge um die eigene Familien die draussen waren und womöglich bereits tot oder verstümmelt. In dieser Szenerie war es mehr als verständlich wenn die Frauen voller Furcht aber auch Hass waren. Am Rande des Irrsinns, der Verzweiflung, des Aufgebens.

Aschenblüte, wie ihr gleichnamiges Buch heißt, bat bald um eine Bibel und sie hatte einen Rosenkranz bei sich. Und sie fing umtost von all dem Grauen zu beten an. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Sie kämpfte nicht nur um ihr überleben, sondern auch dem aufsteigenden Hass den Mörderbanden gegenüber. Sie spürte wie sie die Wut zu verzerren begann und sie betete um ihre Angehörigen, um die Frauen im Versteck, um sich, um Liebe. Und endlich auch für die Hutu weil sie erkannte wenn auch nur instinktiv das nur Liebe diesen Graben der sich nun Bann gebrochen hat überwinden wird. Es war kein einmaliges verstehen, sondern ein Ringen, sich nicht dem Grauen zu überlassen.

Dann doch befreit eine von wenigen überlebenden, zuviel Familie verloren, wurde ein Mörder, ein Hutu, ein Nachbar ihr im Gefängnis gezeigt und sie hätte sich rächen können in dieser elenden Baracke an dem gefesselten Mann. Aber hier erkannte sie in dem elenden Mann nicht nur den Mörder sondern einen Menschen der wie sie Heilung brauchte, der verloren gegangen war. Und sie lernte ihm zu vergeben. Nicht zu vergessen was er getan hatte und die vielen anderen. Nicht um das Grauen über ihrem Land schönzureden, klein zu machen, sondern um nicht aufgefressen zu werden von dem Hass, der Verachtung das viele empfanden und sich so ein zweites Mal verloren.

Sie wollte leben und den Geist ihrer Familie hochhalten indem sie liebte. Sie konnte nach schwersten anfänglichen Schritten im absoluten Nichts eines Landes das in Schutt und Asche lag, sich einen Job ergatternd über Wasser halten, und schließlich in die USA emigrieren. Sie hält viele Vorträge auf der Welt über die Liebe, die Gottesbeziehung, das Verzeihen. Manche ihrer Landsleute waren böse deswegen, weil sie nicht verzeihen konnten und wollten.

Manche waren aber von dem Hass so krank geworden, so vergiftet, das sie sie um Hilfe baten ihnen zu zeigen wie sie endlich heilen konnten. Immaculée sprach ihnen Mut zu, betete mit ihnen, zeigte das es möglich war das absolute Grauen zu überwinden, aus der Gottferne eine Nähe herzustellen, sich einzulassen ganz neu auf das geschenkte Leben. Es ist eines zu überleben, ein anderes zu leben und zu lieben und das ist ihr gelungen mit ihrer Liebe zu Gott, ihrer Tiefen Suche, ihrem Kämpfen mit ihren Emotionen, mit ihrer Bereitschaft sich auf das unmögliche einzulassen, Liebe deinen Nächsten. Es wird noch viele Jahre dauern bis beide Volksgruppen wieder vertrauen, sich annähern, sich anfreunden, Beziehungen eingehen.

Aber ein kleiner Tropfen im Ozean ist ein guter Anfang. Daher trau dich überlasse dich Gott, nicht weil er alles richten wird wie du es brauchst, aber weil er dich im Leid tragen kann, im und durch den Schmerz hindurch zu neuem erwachendem Leben. Weil uns nur die Liebe trägt wie immer du sie auch nennen magst.

Lg, Bernadette ich wünsche dir alle Heilung die du brauchst

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