Wieder zuhause

Bei einem Spaziergang gestern sah ich bei einem Hauseingang ein Schild das mich zum Schmunzeln brachte: Freiheit aushalten. Ungefähr so geht es mir derzeit seit ich am Mittwoch Nachmittag die Klinik verlassen habe. Ich war 3 Wochen dort und es war insgesamt eine gute Erfahrung, sowohl die Therapien haben mich weitergebracht als auch die Medikamente, besonders das Antidepressiva. Seit dem ist das viele Weinen was ich die Wochen oder länger zuvor hatte sehr zurück gegangen.

Die Freiheit oder selbstbestimmtheit aushalten, heißt derzeit diese Woche ohne Termine sein, mir eine gesunde Struktur selbst stricken. Das gelingt mir auch recht gut, in dem ich Bewegung in meinen Alltag einbaue ein bißchen mehr als vorher, mich auf meine Gebetszeiten einlasse. Aber es ist auch klar wieder viel alleine sein momentan, da ja Sommerzeit und alle Kurse etc brach liegen. Wo ich in der Klinik meine vielen kleinen Inseln aufgesucht habe, Platz im Theraphiegarten auf Bankerl, im Wald, im Gebetsraum oder auf der blauen Couch mit meinem Laptop sitzend, um nicht zu viel mit den Leuten abzuhängen, weil mir das in der Summe zuviel ist. Ist es jetzt so still, ein bißchen erschreckend, keiner der einem guten Morgen wünscht, oder wo man sich doch mal 15min zu den Rauchern setzen kann und am Plausch aktiv oder passiv teilnehmen.

Ich hoffe sehr das ich die Erkenntnisse die ich gewonnen habe in meinem Leben umsetzen bzw. verankern kann. Das mir zugestehen von Schwäche, auch wenn es unschön ist, das dunkle Gedanken da sein dürfen, ohne Scham, nur wichtig dann darüber zu kommunizieren mich nicht mehr abzutrennen oder einzuigeln darin. Mir also aktiv Hilfe holen, oder einfach mit Freundinnen anklingen lassen dürfen wenn es wieder mal nicht so gut geht und so den Druck rausnehmen immer funktionieren zu müssen bzw. zu lächeln.

Meine Wertigkeit sehen, unabhängig was ich gerade tue, ob nochmal Jöbchen oder meine Ehrenämter. Ich darf da sein einfach so, ein sehr befreiendes Gefühl. Einen sehr wichtigen Satz haben wir in Thera formuliert: Ich hatte ein schweres Leben, und habe es gut gemeistert. Das fällt mir nicht leicht es zu sagen, aber es bedeutet das ich die vielen Bemühungen und Einsätze wahrnehme und weniger wo ich nicht hingekommen bin. Ich hab den Satz wie versprochen an die Wand gehängt, damit es mir nicht mehr wegrutscht.

Ich habe ein wertvolles Leben. Das berührt mich sehr das ich das sagen kann. Kein verpfuschtes Leben gemessen an einer idealisierten Karriere sondern ein Leben mit vielen Herausforderungen dem ich mich gestellt habe. Und ja meine Krankheit wird mich begleiten, wie auch die Medikamente, damit kann man leben, wie ich auch mit Brille lebe.

Ich bin grade dankbar für alles. Und morgen wird sich entscheiden bei der Rehaklinik wann ich die bewilligte Reha antreten kann.

Liebe Sonntagsgrüße Eure Bernadette

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