Therapie

Die erste Therapie habe ich mit 21 gemacht, nachdem ich mit 19 Jahren einen ersten schweren Suizid hatte, wo ich mir die Wirbelsäule brach. Damals in der Klinik gab es noch keine Therapie das war 1988, seitdem hat sich hier sehr vieles geändert. Diese erste Therapie machte ich dann erst in Berlin wo ich von Graz ausgewandert bin. Sie dauerte 1,5 Jahre und gab mir zum ersten Mal im Leben einen Raum, einen Schutzraum für meine Gefühle, die Emotionen zu erkennen die mich begleiteten und was so alles in meiner Kindheit passiert war. Das verschaffte mir die Möglichkeit zu reflektieren und wieder den Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Eine zweite Begleitung bekam ich, als meine beiden Schwestern und meine Mutter innerhalb von 6 Jahren ab Mitte der 90er starben. Suizid, Krebs, und vom Auto tot gefahren waren die Diagnosen meiner Familie. Erst nach dem dritten Todesfall, wo ich absolut ausgebrannt war, ging ich zu einer Trauerberatung, auch wenn sie keine klassische Therapeutin war, hatten wir ein Jahr lang Gespräche die mich in meiner Trauer begleiteten.

Und da war vieles an Schock, Wut, Ohnmacht, Schuldgefühlen ( vor allem wegen der Schwester die Suizid begangen hatte) , Angst wann stirbt die letzten Familienmitglieder mein Vater und Neffe und anderes. Das so simpel es ist mir die Gespräche halfen liegt auf der Hand den ich bin noch da. Oft habe ich mich als Überlebende gefühlt. Heute kann ich unabhängig vom Tod meiner Familie mein eigenes Leben leben und definieren.

Es gab aber auch eine Therapie die mir nichts brachte, die war kurz bevor ich von Berlin wegging, was ich da nicht wußte, sie ging nur wenige Monate und ich brach sie dann ab. Es war in dieser Zeit einfach Zeit zu handeln. Daher ging ich von Berlin weg und die nächsten Jahre sollte ich in Neuseeland, Wien, Portugal, Australien, wieder Wien und dann letztlich Graz leben. Da war kein Platz weil total rastlos, um eine Therapie zu machen.

Aber hier in Graz nun, ging es mir sehr schlecht ich war in der sogenannten Vorphase einer Psychose, merkte nur das es mir überhaupt nicht gut ging. Und beantragte einen Kassenplatz auf den ich dann fast ein Jahr warten mußte. Das kennst du vielleicht diese lange Wartezeit die sich ewig anfühlt.

Ja und dann ging es über in die Psychose, zu meinem großen Glück wurde hier nun der Platz genehmigt und ich bin nun gut zwei Jahre in Therapie. Sie ist u.a. Psychotherapeutin als auch Trauma etc Therapeutin und hat was ein wirkliches Glück ist Erfahrungen mit Psychosen. Denn das trauen sich nach wie vor nicht alle Therapeuten zu.

In dieser Zeit reflektierten wir Schicksalschläge, Traumen und weiteres. Vor allem mein Zugang zu meiner eigenen Geschichte, meinen Emotionen und wie ich heute damit umgehen kann. Das war und ist sehr wertvoll. Nun bin ich so stabil das wir dabei sind, diese langsam auszuschleichen das heißt die Intervalle länger werden. Bin aber noch froh das ich diesen Halt habe.

Ich hoffe sehr für dich wenn du in Krisen bist, Schicksalschläge erlebt hast oder Traumen, aber auch dich einfach besser kennenlernen möchtest das du den Mut findest eine Therapie zu machen oder zu beantragen. Es ist definitiv nicht immer lustig wenn man dabei ehrlich reflektiert, aber es darf auch gelacht werden.

Ich wünsche dir alles Gute, herzlichst Bernadette

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